Unicable und JESS - SAT-Signal-Verteilung 2.0

Der TV-Empfang per Satellit gehört noch immer zu den beliebtesten Methoden in Deutschland. Das liegt sicherlich zum einen an der Sendervielfalt und zum anderen natürlich an den geringen Folgekosten. Das sind, gegenüber Kabel-TV, entscheidende Vorteile.

Doch ein Nachteil war lange Zeit nicht wegzudiskutieren. Während das Kabel eines Kabelanschlusses von einer Anschlussdose zur Nächsten durchgeschleift werden konnte, wurde beim SAT-Empfang in der Regel auf eine Sternverteilung gesetzt.

Themen / Inhaltsverzeichnis:

  • Sternverteilung
  • Unicable Standards
  • Funktionsweise Unicable
  • Zwischenfazit
  • Receiver vs. Tuner vs. FBC-Tuner
  • Frequenzen und Userband
  • Zuteilung der Frequenzen
  • Unicable Dosen und Co.
  • Signal-Dämpfung
  • Unterschiede: EN50494 vs. EN50607
  • FAQ
  • Begriffserklärungen

 

Sternverteilung

Beim herkömmlichen SAT-TV werden 4 Ebenen empfangen (HH, HL, VH, VL)*. Es wird pro Koaxkabel immer nur eine dieser Ebenen übermittelt. Welche Ebene übermittelt wird, entscheiden Sie mit der Auswahl des Programms. Wenn Sie nun das Kabel, welches Ihren Receiver mit dem Programm speist, zu einem weiteren Receiver legen, dann können dort nur Programme aus der gleichen Ebene angesehen werden. In der Regel möchte aber jeder die freie Programmwahl haben. Aus diesem Grund ist es notwendig, dass jedes Endgerät ein eigenes Kabel bekommt. Daher führen die Kabel sternenförmig vom Verteiler (z. B. Multischalter) weg.

Sternschaltung-einfache-schematische-Darstellung

Sternverteilung ade durch Unicable

Durch die Unicable-Technik ist eine Sternverteilung nicht mehr notwendig. Ähnlich wie beim Kabelempfang ermöglicht Unicable, das Durchschleifen von Dose zu Dose. In diesem Zusammenhang wird auch von „Einkabel-Lösungen“ oder „Einkabelanlagen“ gesprochen. Aber hier ist Vorsicht geboten, die Begriffe wurden früher auch für Anlagen benutzt, die nur eine Ebene weitergeleitet haben (wie zuvor besprochen). Damit Sie sicher sein können, dass die gesamte Bandbreite bekommen sind folgende Standards relevant:

Unicable Standards: EN 50494 (Unicable) und EN 50607 (Unicable 2 / JESS)

EN 50494 und EN 50607 sind die Normen die eine Unicable-Funktion bestätigen. Die Standards von Unicable haben noch einige weitere Bezeichnungen. Außerdem unterscheiden sich die beiden Standards in ihrem Leistungsumfang voneinander. Da das aber für die grundlegende Funktion nicht wichtig ist, greifen wir das erst später wieder auf. Wir merken uns an dieser Stelle, dass uns zwei Standards begegnen können und erschließen uns zunächst die Funktionsweise von Unicable.

Unicable-Verteilung-einfache-schematische-Darstellung

Vereinfachte Funktionsweise von Unicable

Im Unicable-System wird mit festen Übermittlungsfrequenzen gearbeitet. Stark vereinfacht ausgedrückt, bekommt jeder Receiver eine Frequenz, mit der er sich am Unicable-Multischalter anmeldet. Die möglichen Frequenzen werden vom Multischalter (oder LNB) vorgegeben. Diese vorgegebenen Frequenzen können dann auf die angeschlossenen Receiver verteilt werden.

Unicable-Frequenzen-Verteilung-einfache-schematische-Darstellung

Zwischenfazit

Die Grundidee hinter der Unicable-Technik ist es, den SAT-Empfang noch attraktiver zu gestalten. Der Ansatz, zusätzliche Möglichkeiten der SAT-Signal-Verteilung zu schaffen, ist so einfach wie genial. Es ergeben sich z.B. Kosteneinsparungspotenziale für Neubauten und vereinfacht den Umstieg von Kabel- auf SAT-Empfang.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit, wir verabschieden uns an dieser Stelle von allen, denen ein „informatives Kratzen an der Oberfläche“ gereicht hat. Für alle, die weiter an Board bleiben, seien Sie gewarnt! Nun wird es ernst. Wir werden uns das mitunter komplexe Thema mit einer Mischung aus Erklärungen und FAQ erschließen.

 

Receiver vs. Tuner vs. FBC-Tuner

In der einfachen Darstellung haben wir jedem Receiver eine Frequenz zugesprochen. Doch eigentlich bekommt jeder Tuner eine eigene Frequenz zugeteilt. Das bedeutet, wenn Sie einen Receiver mit 2 Sat-Tunern haben, dann kann der Unicable-Strang mit Hilfe eines Splitters, auf beide Tuner aufgeteilt werden. In der Folge werden dann auch zwei Frequenzen und logischerweise auch zwei Kanäle beansprucht.

Bei einem FBC-Tuner* können bis zu 4 virtuelle Tuner im Menü hinterlegt werden. In diesem Fall werden 4 Frequenzen (und Kanäle) genutzt. Wenn Sie 2 physikalische FBC-Tuner bedienen, können Sie bis zu 8 virtuelle Tuner mit Frequenzen versorgen.

Das ist insbesondere von Bedeutung, wenn Sie weitere Endgeräte versorgen möchten die keinen Zugriff auf eine Anschlussdose haben. Denn ein Receiver mit FBC-(Twin)-Tuner kann Sie bis zu 7 weitere Geräte im Haushalt (z. B. Handy Tablet, PC, …) mit dem TV-Signal versorgen. Das Signal wird hierbei über das Netzwerk (LAN oder WLAN) verteilt.

Alternativ können Sie theoretisch auch an dem einen Gerät 8 Sendungen gleichzeitig ansehen und aufnehmen.

 

Was sind diese Unicable Frequenzen und was ist das Userband?

Die Frequenzen sind eine Art Verbindungsstraße. Auf der zugeteilten Frequenz kommuniziert der Tuner mit dem Signalsender (Unicable-LNB oder Unicable-Multischalter), sobald der Tuner mitteilt, welches Programm er benötigt, wird auf der vereinbarten Frequenz genau das Programm bereitgestellt. Es wird also pro Frequenz nur das übermittelt, was auch angefordert wird. Aus diesem Grund wird es auch SCR (Satellite channel router) genannt.

Gelegentlich wird in dem Zusammenhang auch von dem Userband (UB) gesprochen. Allerdings ist das in der Regel kein Synonym, sondern jeder Frequenz ist eine einfache Nummer, das Userband, zugeordnet. Es ist wichtig, dass im Receiver immer das passende Userband zur dazugehörigen Frequenz gewählt wird.

 

Zuteilung der Frequenzen

Es gibt nur wenige Regeln die eingehalten werden sollten:

  1. Die höchste Frequenz sollte den kürzesten Weg haben. Denn je höher die Frequenz ist, desto größer ist die Dämpfung. Die folgenden Frequenzen werden dann einfach der Reihe nach verteilt.
  2. Jede Frequenz darf nur einmal vergeben werden!
  3. Bei einem Twin-Receiver muss bei beiden Tunern ein eigenes Userband und die dazu passende Frequenz programmiert werden (Jeder Tuner benötigt eine eigene Frequenz).

 

Unicable-Dosen vs. Sat-Dosen vs. Kabel-Dosen

Sie benötigen, je nach TV-Empfangsart unterschiedliche Dosen. Das besondere an Unicable-Dosen ist, dass diese Dosen eine Dauerspannung von größer 15 V und einen 22 kHz-Dauerton blockieren.

Bei herkömmlichen SAT-Anlagen wird mit 14 V und 18 V signalisiert, ob horizontale oder vertikale Frequenzen angefordert werden. Das 22-kHz-Tonfrequenzsignal schaltet ins High-Band und wenn das Signal fehlt, wird ins Low-Band gewechselt. Diese Signale werden bei Unicable-Anlagen nicht benötigt, da hier DiSEqC*-Steuersignale genutzt werden. Sollte ein Tuner am gemeinsamen Kabel die LNB-Spannung auf 18 V anheben, sind alle anderen Tuner nicht in der Lage den Transponder zu wechseln.

Bei der Verteilung ist es wichtig, dass Userbänder bzw. Frequenzen nicht doppelt vergeben werden, da es sonst zu Störungen kommt. Insbesondere in größeren Anlagen kann das mitunter schwierig werden. Zum Beispiel bei mehreren Mietparteien bietet es sich an, Störungen zu vermeiden.

Diese Herausforderung wird mit programmierbaren Unicable-Dosen gelöst. Sind die Dosen richtig programmiert, werden nur Steuerbefehle für die Userbänder in das Verteilnetz gelassen, für die eine Berechtigung hinterlegt wurde. Alle anderen Steuerbefehle werden geblockt. Somit können sich die Steuerbefehle der einzelnen Receiver nicht gegenseitig stören.

Die Antennendosen sollten kompatibel mit Steuerbefehlen nach EN50494 und JESS sein. Meistens sind im Auslieferzustand alle Userbänder zugelassen. Die Berechtigungen werden mittels eines PCs/Laptops, einer speziellen Software und einem Programmieradapter in der Dose abgelegt.

 

Dämpfung in der Unicable-Anlage

Die richtige Aussteuerung der Dämpfung ist wichtig und mitunter recht kompliziert. Insbesondere als Laie kann die selbstständige Ausgestaltung der Unicable-Sat-Anlage fordernd und möglicherweise auch überfordernd sein.

Bei der Planung sind beispielsweise folgende Punkte zu berücksichtigen:

  • Die Grenzwerte liegen zwischen 47 bis 77 dB(µV). Bei guter Planung sollten allerdings 3 bis 6 dB Sicherheitsabstand zu den Limits eingerechnet werden.
  • Die Unicable-Dosen haben unterschiedliche Dämpfungen (18, 14, 10 und 7 dB-Dämpfung). In der Regel ist das Signal zu Beginn so stark, dass eine hohe Dämpfung notwendig ist, um den Receiver zu schützen. Im weiteren Verlauf wird das Signal zunehmend gedämpft, sodass dann schwächer gedämpfte Dosen verwendet werden können.
  • Das Kabel sorgt auch für eine Dämpfung, je länger das Kabel, desto größer die Dämpfung.
  • Außerdem wird eine höhere Frequenz deutlich stärker durch ein langes Kabel gedämpft, als eine geringere Frequenz. (Moderne dämpfungsarme Kabel haben auf 950 MHz eine Dämpfung von ca. 18 dB/100 m, auf 2.150 MHz von ca. 30 dB/100 m) à Daher wird im besten Fall auch die höchste Frequenz an den Receiver (Tuner) mit der geringsten Entfernung vergeben.
  • Jedes Zwischenstück (z. B. Splitter) bewirkt eine Dämpfung.
  • Am Ende einer Leitung muss eine End-Dose genutzt oder ein Abschlusswiderstand eingesetzt werden. 

Diese Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, denn je nachdem wie komplex Sie Ihre Anlage aufbauen, desto mehr müssen Sie dabei berücksichtigen.

 

Unterschiede zwischen den Standards EN 50494 und EN 50607

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Welchen Receiver für Unicable bzw. Unicable 2?

Ein Receiver muss für den jeweiligen Standard geeignet sein. Wenn ein Receiver mit dem Betriebssystem Linux arbeitet und Unicable als Feature genannt wird, dann kann er in der Regel auch Unicable 2 im Menü eingestellt werden, da das über die Software gesteuert wird.

 

FAQ

Weitere Fragen & Antworten zu Unicable:

Was ist ein Legacy-Ausgang?

Ein Legacy-Ausgang finden Sie häufig bei Unicable-LNBs oder bei Unicable-Multischalter. Über diesen Anschluss kann ein Receiver separat angeschlossen werden. Dieser muss nicht zwingend Unicable-fähig sein.

Wieso benötige ich eine End-Dose oder einen Endwiderstand?

Das ist wichtig, damit kein Signal-Echo entsteht und der Empfang dadurch gestört wird.

Frequenzband (Ebene) vom LNB und Trägerfrequenz, ist das das gleiche?

Nein, diese Begriffe sind unabhängig voneinander. Das Frequenzband ist ein Begriff der im Zusammenhang mit dem eigentlichen SAT-Empfang vom Satelliten genutzt wird. Die Trägerfrequenz ist eine Art Kanal in der ein gewünschtes Signal vom Verteiler (z. B. Multischalter) an den Receiver (bzw. Tuner) gesendet wird.

Funktioniert Unicable auch mit UHD- bzw. 4K-Inhalten?

Ja, das funktioniert.

Wo finde ich die Trägerfrequenzen, die ich bei den Receivern eingeben muss?

Die Frequenzen finden Sie mitunter direkt auf dem LNB bzw. dem Multischalter oder in der jeweiligen Bedienungsanleitung.

Was ist der Vorteil von einem Wideband-LNB?

Der Vorteil eines Wideband-LNB ist, dass die horizontalen und vertikalen Frequenzen nicht noch in High und Low gesplittet werden. In der Folge werden nur noch zwei Kabel vom LNB zum Multischalter benötigt. Insbesondere beim Kaskadieren von Multischaltern (mehrere Multischalter hintereinandergeschaltet) sind dann weniger Verbindungskabel notwendig.

Gibt es eine automatische Zuteilung/Abfrage der Frequenzen beim Multischalter?

Beim Unicable 1 Standard (EN 50494) ist kein Rückkanal vorgesehen, daher wird hier eine manuelle Eingabe des Userbandes geordert. Sobald versucht wird die einzelnen Frequenzen zu testen, reagiert der Multischalter zwar darauf, aber währenddessen wird der Empfang bei den anderen Teilnehmern gestört.

JESS (EN 50607) hingegen unterstützt eine bi-direktionale Kommunikation und ermöglicht damit eine exakte Abfrage von verfügbaren, benutzten und geschützten Frequenzen bzw. Userbändern.

Was bedeutet Diodenentkopplung?

Diodenentkopplung bedeutet, dass z. B. ein Verteiler eine Spannung nur aus jeweils einer der möglichen Richtungen durchleitet.

Es wird häufig von einem Verteiler gesprochen, was ist damit genau gemeint?

Als Verteiler ist entweder der LNB oder ein Multischalter gemeint. Zum einen kann bei Unicable die Verteilung direkt vom Unicable-LNB ausgehen oder von einer Kombination aus LNB und Unicable-Multischalter. Welche Option Sie hier wählen, ist abhängig von Ihrem Vorhaben.

Unterschied zwischen SCR-ID und Userband-ID

Einige Anbieter verwenden nicht das Userband bzw. die Userband-ID, sondern nutzen eine „SCR-ID“. Die SCR-ID ist die Userband-ID binär codiert.

  • Es gibt kein UB_0
  • SCR-ID ist nicht Bestandteil von EN 50494/50607
  • UB_1 = SCR_0, UB_2 = SCR_1, usw.

Zu der Verwendung gibt es eine aussagekräftige Eselsbrücke von Jultec: „das erste, zweite, dritte … UB auswählen, egal ob ab 0 oder 1 gezählt wird!

Wer legt das Userband-Frequenzraster fest?

Die Frequenzen werden nicht durch die Standards EN 50494 oder 50607 festgelegt, sondern werden von den jeweiligen Produkten bzw. Herstellern festgelegt. Aus diesem Grund unterscheiden sich die Frequenzen auch bei den Geräten.

 

*Begriffserklärungen zu Unicable

Frequenzbänder / Ebenen:

HH = Horizontale Polarisation, oberer Frequenzbereich (High-Band) 11,70–12,75 GHz

HL = Horizontale Polarisation, unterer Frequenzbereich (Low-Band) 10,70–11,70 GHz

VH = Vertikale Polarisation, oberer Frequenzbereich (High-Band) 11,70–12,75 GHz

VL = Vertikale Polarisation, unterer Frequenzbereich (Low-Band) 10,70–11,70 GHz

 

Unicable Standards:

  • EN 50494 = SatCR = SCR (Satellite Channel Router) = CSS (Channel Stacking System) = Einkabel-tauglich = Unicable Standard
  • EN 50607 (seit 2014) = JESS (Jultec Enhanced Stacking System) = SCR2 = SCD2 (Bez. Von Kathrein) = Einkabel 2.0 (von Panasonic) = Unicable 2

 

FBC-Tuner = Full Band Capture Tuner

DiSEqC = Digital Satellite Equipment Control

DC = Direct Current – damit ist der „Gleichstrom“ gemeint.

DC-Blocker = blockt die Gleichspannung im Innenleiter

SAT-ZF = Die SAT-Leitungen welche vom LNB abgehen

UB = Userband

USALS = Universal Satellites Automatic Location System

 

Quellen zu Unicable und Unicable 2 (JESS)

 

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